In meinen Beruf ist es manchmal gut, sich zurückzulehnen und darüber nachzudenken, ob die Analyse richtig ist, ob die Handelsaktivitäten den Zielvorgaben entsprechen, ob man objektiv genug ist, um die nächste Position zu riskieren, ... Die Fragestellungen hören nicht auf.
Daher habe ich die letzen 2 Wochen versucht, den Markt passiv zu betrachten, mich neu zu orientieren, Fehlerquellen zu identifizieren.
Gleichzeitig helfen mir fiktive Handelseinstiege dabei, meine Marktbeobachtungen zu untermauern.
Das Ergebnis war eher ernüchternd. Während ich die Ölpreisflaute klar erkennen konnte, war die relative Stärke von Gold und Silber für mich nicht nachzuvollziehen. Während ich den Einbruch des Euros jederzeit verstand, so kam die Rally am Freitag doch eher überraschend.
Wir befinden uns also in einer instabilen Marktsituation. Instabil deswegen, weil die Welt nach Lösungen für die unzähligen Krisen sucht. Ob wir diese Lösungen finden können, ist mehr als zweifelhaft; denn was als reine Finanzkrise begonnen hat, beginnt sich zu schwerwiegenden Sinnkrisen für viele Menschen auszuweiten. Die Fragen, warum die politische Klasse und die Hochfinanz bisher relativ glimpflich davon kommen und gleichzeitig die Masse der Menschen am Minimum leben muss, wird langsam aber sicher zu einer tickenden Zeitbombe.
Die Geldentwertung, die sich eher hinter den Kulissen abspielt - am Anleihenmarkt, im Interbankmarkt, ... weitet sich unweigerlich zu einer Katastrophe aus, wenn nicht bald Nägel mit Köpfen gemacht werden. Aber wie? fragen sich die Finanzmanager und Politiker?
Bis jetzt hat man das System mit Staatsgarantien unterstützt. Aber was machen, wenn diese Staatsgarantien fällig werden? Vor 5 Jahren wäre jedes Projekt das 300 Millionen Euro gekostet hätte im österreichischen Parlament gescheitert - dafür hätte es keine Mittel gegeben. Vor 3 Jahren war es selbstverständlich 30 Milliarden in die Hand zu nehmen, um eine paar Banken zu retten, oder einen Schutzschirm für die peripheren Euroländer zu spannen, der Österreich wieder einige Milliarden kosten würde. Die Realitätsempfindungen waren innerhalb von 2 Jahren neu geordnet worden.
Sich auf neue Situationen neu einzustellen, das ist eine Realität, mit der der Mensch immer lebt. Das ist auch richtig; aber zeugt das ständige Reagieren und nicht Agieren von einem schwachen System, von schwachen Systemmanagern?
Die Antwort darauf überlasse ich jedem einzelnen Leser. Für mich liegt in den eben genannten Überlegungen der Schlüssel zur weiteren Marktentwicklung.
Die Märkte werden in nächster Zeit nur mehr auf die tagtäglichen Meldungen reagieren. 'Griechenland wird gerettet werden' Euro Rally . 'Soziales Chaos in Griechenland' Euro Crash.
Die sicheren Werte bleiben Edelmetalle und selektive Währungen wie im Moment der Schweizer Franken und der Aussie Dollar. Aber auch das kann man nicht so verallgemeinen, da gerade diese beiden Währungen nicht Platz haben für unendliche Rallies. Das vorhandene Geld muss diversifiziert angelegt werden.
Weltpreise für Nahrungsmittel steigen ständig, auch da gibt es noch immer Investitionsmöglichkeiten, obwohl dieser Preisanstieg die allgemeine Inflation Schritt für Schritt erhöht und der Druck auf den Hochfinanzmarkt extrem steigt, doch endlich die Zinsen anzuziehen. Die Geldmaschine wird also weiterhin auf mehrere Produkte setzen, um auch die notwendige Ausgeglichenheit aufzuweisen, wenn das eine oder andere Produkt ernsthaft zu leiden beginnen wird.
Aber die Differenz zwischen den wie ich es in der Zwischenzeit nenne ZWEI FINANZZYKLEN (auf der einen Seite das reale Leben mit immer steigenderen Preisen; auf der anderen Seite der Anleihenmarkt, bei dem man alle Anstrengungen unternimmt, ja keine Zinserhöhung durchführen zu müssen, um den totalen Kollaps nicht zu provozieren) wird immer extremer und die Gefahr eines kosmopolitischen Zusammenbruchs steigt.
Aber vielleicht kommen dieser Entwicklung ja die sozialen Unruhen, wie wir sie derzeit schon in Nordafrika sehen, zuvor. Könnte wieder ein Krieg Teil der Lösung dieser unabsehbaren Finanzprobleme werden?
Wir wissen es nicht, also werden wir wieder eine Woche damit verbringen, die Reaktionen der Märkte auf die News zu handeln. Die Preisbewegungen werden von der Allianz der Schwachen geführt - US Dollar und Euro.
Viel Spass beim Handeln
Euer Gerhard
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"Zunächst muss daher allgemein erkannt und anerkannt werden, dass bei den gegenwärtigen Geldordnungen ein grundlegender und gravierender Fehler vorliegt, der die gesamte Gesellschaft destabilisieren wird": http://www.deweles.de/files/mathematik.pdf
AntwortenLöschenDr. Jürgen Kremer, Prof. für Wirtschaftsmathematik
Wenn das Geld selbst fehlerhaft ist, gibt es keine wie auch immer geartete "Finanzpolitik", um den bevorstehenden Zusammenbruch des Geldkreislaufs aufzuhalten! Daher ist es irrelevant, was die "hohe Politik" beschließt oder nicht beschließt. Seit Herbst 2008 läuft die Weltwirtschaft in ein Phänomen, das der "Jahrhundertökonom" John Maynard Keynes als "Liquiditätsfalle" bezeichnete. Davon hat es in der Geschichte der halbwegs zivilisierten Menschheit viele gegeben (schon solange der Mensch Zinsgeld, anfangs Edelmetallgeld, benutzt) und alle Hochkulturen und Weltreiche sind an der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz zugrunde gegangen: http://www.deweles.de/files/untergang.pdf
Befindet sich eine Volkswirtschaft in der Liquiditätsfalle (z. B. Japan), kann der Staatsbankrott dadurch hinausgezögert werden, dass ein Teil der Geldvermögen direkt oder indirekt im Ausland angelegt wird, wo der Zinsfuß noch höher ist. Damit geraten diese Volkswirtschaften (z. B. China) umso mehr unter Druck, weil die dortige Bevölkerung die zusätzliche Zinslast zu tragen hat, bis auch in diesen Ländern (Schwellenländer) der Zinsfuß auf die Liquiditätspräferenzgrenze absinkt (der Anstieg des Zinsfußes in Griechenland, Portugal, Irland, etc. resultiert allein aus einem überproportionalen Anstieg der Risikoprämie, während die Liquiditätsverzichtsprämie weiterhin sinkt). Am Ende kommt es zur globalen Liquiditätsfalle! Die Heilige Schrift bezeichnet dieses Ereignis als "Armageddon".
Die Alles entscheidende Frage lautet: Welcher kollektive Wahnsinn hielt die halbwegs zivilisierte Menschheit bis heute davon ab, die einzig denkbare Lösung, die Natürliche Wirtschaftsordnung (Marktwirtschaft ohne Kapitalismus), zu verwirklichen? Fragen wir jemanden, der die Antwort gewusst haben muss, Sir Arthur Charles Clarke (1917 - 2008):
"Wenn ein ausgezeichneter, aber ältlicher Wissenschaftler erklärt, etwas sei möglich, so hat er fast immer Recht. Wenn er erklärt, etwas sei unmöglich, so irrt er sich mit großer Wahrscheinlichkeit."
(1. Gesetz der Zukunft)
Studierte Volkswirtschaftler sind deshalb ratlos gegenüber der "Finanzkrise", weil sie über die noch bestehende, seit jeher fehlerhafte Makroökonomie nicht hinaus denken können.
"Die einzige Möglichkeit, die Grenzen des Möglichen zu entdecken, ist, sich über diese hinaus ein Stück ins Unmögliche zu wagen."
(2. Gesetz der Zukunft)
Gewählte Politiker sind deshalb ratlos, weil es ihnen aufgrund ihrer "gesellschaftlichen Position" unmöglich ist, sich ins "Unmögliche" zu wagen.
"Jede weit genug entwickelte Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden."
(3. Gesetz der Zukunft)
Das gilt auch für die Technologie der Makroökonomie, deren Verständnis, solange sie noch fehlerhaft ist, dem arbeitenden Volk verwehrt werden muss. Anderenfalls hätte das, was wir heute "moderne Zivilisation" nennen, gar nicht erst entstehen können! Das war (und ist noch) der einzige Zweck der Religion.
Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert:
"Der Weisheit letzter Schluss"
http://www.deweles.de/willkommen.html