Sonntag, 27. Februar 2011

LIBYSCHE KRISE

Die letzte Woche stand ganz unter dem Eindruck der libyschen Krise. Nymex Crude Oil konnte zum ersten Mal seit 2 Jahren $100.00 überschreiten. Silber erreichte ein neues Hoch. Gold hat fast die ganze Woche über $1,400.00 Dollars gehandelt.

Die Preisentwicklung zum Beispiel beim Öl brachte aber einige recht interessante Aspekte mit sich, die man genauer analysieren sollte:

Wir haben zwar gerade am Donnerstag eine Session mit extremer Volatilität erlebt, aber die Preise konnten sich nicht über $100.00 festsetzen. Gleichzeitig konnte Silber am Donnerstag den Höchstpreis der Woche vom Dienstag nicht überschreiten. Ich erwähne hier gerade Öl und Silber, weil sie als Lead-Produkte der Commoditiesmärkte, deren Preisbewegung in den letzten Monaten die Probleme dieser Welt ziemlich exakt widergegeben haben, recht gute Hinweise auf den jeweiligen Stand einer Krise geben.

Der Gedanke könnte sich aufdrängen, dass diese potentielle Preisdivergenz zwischen den Produkten 'Gefahr in Verzug' andeutet.

Betrachtet man andererseits die Schlusskurse am Freitag, so sind die Märkte doch beide im Plus und daher kann man nicht von einem ausgeprägten Hinweis 'short zu gehen' sprechen.

Die fundamentalen Gegebenheiten haben sich in den letzten 2 Wochen auch nicht dramatisch in die eine oder andere Richtung verändert.
Nach wie vor beherrscht die Entwicklung in Libyen vor allem den Ölmarkt. Wir konzentrieren uns daher nächste Woche auf zwei Fakten:

- das Spike High bei 103.40 (technisch bedeutsam)
- die Entwicklung in Libyen und in anderen Staaten der Region
(fundamental von grosser Bedeutung)

Wir haben natürlich zur Kenntnis genommen, dass das technisch wichtige Spike High fundamental stark von der Aussage der Saudis beeinflusst war, 'dass man etwaige Lieferprobleme aus Libyen durch grössere Förderungen im eigenen Land kompensieren will'.

Man könnte also meinen, dass die Entwicklungen in Libyen für das Öl nicht mehr von vorrangiger Bedeutung sein wird. Umso mehr muss man die Situation in Saudi Arabien und in den anderen Golfstaaten im Auge behalten.

Öl wird vorerst nicht wesentlich billiger werden, obwohl es Potential hat, gegebenfalls auf $87 bis $90 zurückzufallen. Nach oben hin könnte die Preisentwicklung dramatisch werden, sollte $101 nachhaltig überschritten werden. Wir befinden uns derzeit auf der Suche nach dem nächsten 'Move'. Nochmals möchte ich betonen, dass das Spike-High von enormer technischer Bedeutung ist, wäre nicht die unvorhersehbare Lage im Mittleren Osten mit ins Kalkül zu ziehen.

Silber dagegen hat am Freitag wieder einen Preisschub nach oben geschafft, obwohl die Korrektur nach dem $34 Hoch recht ansprechend war. Ich erwarte in den ersten Tagen der kommenden Woche ein 'Rangetrading' zwischen $32.70 und $34.00, bevor vielleicht doch noch ein Push nach oben erfolgt. Was auch immer so einen Push auslösen könnte, meiner Meinung nach wäre es die letzte Bewegung nach oben, bevor eine etwas komplexere Korrektur überfällig ist.

Auch die Aktienmärkte konnten dem Druck der Libyenkrise letzte Woche nicht standhalten, obwohl positive US Wirtschaftsdaten am Freitag den Verlust der Vortage etwas aufgefangen haben.

Der Dollar bleibt weiterhin schwach und hat letzte Woche wieder ein All-Time-Low gegenüber dem Schweizer Franken erreicht.

Wir denken, dass die Preisentwicklungen erst in der 2. Wochenhälfte interessant werden, und dass wir uns zu diesem Zeitpunkt sehr aktiv am Handelsgeschehen beteiligen werden.

Liebe Leser - Viel Spass beim Handeln!
Euer Gerhard Pilz

Montag, 21. Februar 2011

Roll-Over

Angesichts der sich überstürzenden Ereignisse wollte ich nach einer anstrengenden Wochenendreise Montagmorgen abwarten, um meinen Blog zu veröffentlichen.

Wir hatten nämlich letzte Woche die Gelegenheit, einen sehr interessanten Roll-Over von März auf April Öl Futures zu beobachten. Nach einem kometenhaften Preisanstieg von Märzöl während der Ägyptenkrise, hat sich der Preis wieder auf das Vorkrisenniveau von +/-$85 zurückgezogen. Am Freitag wurden die April Futures zum Lead-Month. Und die haben gleich mit einer Prämie von 300 Punkten das Preisniveau auf $89 angehoben.

Heute, Montag Morgen, handeln wir bereits bei über $92.00 Dollars, was durch die Krisen in Nordafrika und im Mittleren Osten begründet ist.

Fakt ist, eine Roll-Over Periode hat dazu geführt, eine charttechnische Preiskorrektur darzustellen. Natürlich ist dies eine ziemlich einmalige Situation, da eine politisch/ökonomische Krise nicht immer zu solchen Chartsituationen führt, jedoch hat uns diese Situation klar vor Augen geführt, dass Preistendenzen charttechnisch oft nicht richtig einzuschätzen sind. Preise, gerade bei den Commodities, werden oft stark von fundamentalen Events beeinflusst, aber auch vom Marktsentiment getrieben.

Die Entwicklung des Silberpreises ist ein weiterer Highlight des heutigen Morgens. Nicht einmal 10 Stunden in diese Woche und wir handeln bereits auf einem Preisniveau weit über $33.00 Dollars. Alle technischen Chartpunkte wurden hinter uns gelassen und die Händler nehmen ihre All-Time-Charts aus der Schublade, um Anhaltspunkte für mögliche Zielpreise zu bekommen. Ich persönlich möchte mich zu diesem Zeitpunkt nicht an Zielpreisspekulationen beteiligen, aber Preise zwischen $45 und $120 Dollars werden genannt.

Ungeachtet all dieser 'krisenhaften' Preisentwicklungen steigen die US Aktien. Die 'corporate World' scheint von bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Nordafrika und im Mittleren Osten nicht beeinflusst zu sein.

Der Dollar bleibt schwach und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich diese Situation grundlegend verändern wird. Im Zuge dieser neuen Einschätzung, die sich von der Equilibrium Theorie der letzten Woche wieder etwas distanziert, ist nicht auszuschliessen, dass zum Beispiel der Aussie Dollar im Zuge der Commodities Hausse nach oben ausbrechen könnte.

Es ist bestürzend, dass in unserer globalisierten Welt Länder wie Libyen ungehindert auf seine unbewaffneten Bürger schiessen kann. Man muss sich fragen, wann eine UNO zum Beispiel einschreitet, um einen Völkermord zu verhindern. Tatsache ist, die Globalisierung betrifft in erster Linie die Finanzwelt, die Versorgung, die Produktion, aber nicht die Bürger. Es wird also zu hinterfragen sein, ob diese Art der Globalisierung Zukunft hat, oder ob es den Armen dieser Welt früher oder später 'reichen wird' (um den österreichischen Ex-Vizekanzler zu zitieren).

Die Entwicklungen in Tunesien, Ägypten, Libyen und in den Golfstaaten sind nicht abgeschlossen und haben vor allem noch zu keinem greifbaren Ergebnis geführt. Wir wissen daher noch nicht, ob die Ölproduktion so wie bisher fortgeführt wird; wir wissen auch nicht, ob es nicht zu Extrementwicklungen kommen wird. Daher wird gerade diese Woche unsere ganze Aufmerksamkeit dem Silber und dem Öl gelten. Schon heute Nachmittag, wenn auch die US Händler wieder aktiv sind, wird es wohl zu interessanten Preisentwicklungen kommen.

Viel Spass beim Handeln!
Diese Woche wird sehr spannend.
Euer Gerhard

Sonntag, 13. Februar 2011

2011 - Der Euro unter Beobachtung

Liebe Leser!

Das Leitthema des heutigen Blogs ist der Euro. Das gerade deswegen, weil die ersten Wochen dieses Jahres ein interessantes Währungsbild zu zeichnen beginnen. Die Charts, seien es tägliche, wöchentliche oder monatliche, geben nämlich keine klare Richtung vor. Nach dem 2010er Jahrestief unter 1,20 schien die Währung allen Unkenrufen zum Trotz wieder auf das Allzeithoch steigen zu wollen. Aber diese Bewegung wurde bzw. wird immer wieder von fundamentalen Events (in erster Linie Finanzierungskrisen einzelner EU Staaten) in Frage gestellt.

Der Dollar präsentiert sich zwar ausnehmend schwach, insbesonders, da man keine Idee hat, wie die Amerikaner mit ihrer eigenen Schuldenkrise umgehen werden, die ja in den nächsten Wochen Thema unzähliger Debatten sein wird, wenn das vom Kongress gesetzte Gesamtschuldenlimit demnächst erreicht wird.

Einige der Republikaner deuten in Interviews am, dass man die Krise einzelner US Bundesstaaten einfach dem Markt überlassen wird müssen, sprich - ein Konkurs, oder besser, eine Schuldenregulierung ist angedacht. Diese Einstellung zu den eigenen Problemen wird natürlich auch in Europa heiss diskutiert. "Wieviel Sinn macht es, Länder wie Griechenland, Irland, Spanien, etc. künstlich am Leben zu halten?". Durch die hohen Schulden, ein schlechtes Rating und höhere Zinsen wird es kaum möglich sein, ohne einem signifikanten Wirtschaftsaufschwung die bestehenden Krisen real zu bewältigen.

Die eben angestellten Überlegungen sind aber nur Teil einer möglichen Sicht der Dinge. Es gibt in unserer globalen Welt ja auch die Länder mit massiven Geldüberschüssen wie z.B. China, das sich zusehends auf dem globalen Anleihen Markt breit macht und zur Krisenbewältigung einzelner Staaten versucht beizutragen.

Die Liste der Pros und Cons in dieser Frage ist endlos, daher wird man ohne akutem Krisenfall wahrscheinlich nicht mit schnellen Lösungen rechnen können. Die USA wird uns wahrscheinlich als erste Nation zeigen müssen, was gemacht wird, wenn das Haushaltsschuldenlimit erreicht ist. Wahrscheinlich wird man einfach ein neues höheres Limit beschliessen, um damit die Beantwortung der offenen Frage hinauszuzögern.

Aus dieser Diskussion könnte sich für Währungshändler in diesem Jahr eine Situation der Preisstagnation im weiteren Sinne ergeben. Offensichtlich könnte je nach News entweder der Dollar oder der Euro Stärke bzw. Schwächen zeigen. Das spricht für ein Preisgeschehen innerhalb der Limits des letzten Jahres. Nach oben möchte ich persönlich 1,50, nach unten 1,20 nennen. Der Schlusspreis am Freitag liegt also genau im Mittelpreisbereich des Jahres, sollte ich Recht behalten.

Öl hat vorige Woche das Preisniveau von vor der Ägyptenkrise erreicht. Mit dem Ende der Ära Mubarak kam der Ölpreis wieder auf das $85 Vorkrisenniveau zurück.

Kein Ende dagegen fand die Baumwollhausse. Mit einem Schlusspreis von über 190 letzte Woche fragt man sich eigentlich, ob fundamentale Gründe solch ein Preisniveau überhaupt rechtfertigen. Liest man noch dazu die Kommentare der CME (Chicago Mercantile Exchange), dann ist davon auszugehen, dass einzelne Trader unter Umständen einen künstlichen Squeeze im March Contract erzeugen. Je näher Expiration kommt, desto interessanter wird es werden zu beobachten, ob die derzeitigen Futurespreise reel sind. Natürlich hat Indien mit seinen Exportrestriktionen, welche im Laufe der letzten Woche bekanntgegeben wurden, das Feuer geschürt. Trotzdem bezweifle ich, dass die derzeitigen Baumwohlpreise im Futuresmarkt zu halten sein werden. Persönlich stelle ich noch dazu die Politik der täglichen Limits in Frage. Ich würde eher ein System mit höheren Marginrequirements präferenzieren, was die reinen Spekulanten aus diesem Markt treiben könnte.

Ich weiss, meine Cotton Kommentare sind sehr handelsspezifisch und sollten sich Fragen ergeben, so beantworte ich diee gerne. Schickt mir einfach eine Email an gerhard@taskinvest.com

Mit Donnerstag konnte ich endlich die finanziellen Einbrüche der ersten Februarwoche beenden. Mit dieser positiven Nachricht darf ich nicht nur den Blog beenden, sondern Euch allen einen schönen Valentinstag wünschen. Nicht vergessen ... Herzerln, Blumen und ein schönes Abendessen!

Euer Gerhard

Samstag, 5. Februar 2011

CHANGE - Erörterung von Möglichkeiten

Liebe Leser!

Handeln bedeutet u.a. auch zu erkennen, dass man falsch liegt, dass man sich neu positionieren muss. Die letzte Woche hat mir gezeigt, dass es von Zeit zu Zeit notwendig ist, sich zurückzulehnen und seine Vorgangsweise zu überdenken.

Aber nicht nur das – die ,Event Risks‘, die ich letzte Woche beschrieben habe, sind Situationen, die jede Vorschau in Frage stellen können. Neben der strategischen Ausrichtung muss man bedingt durch unvorhergesehene fundamentale auch die technischen Gegebenheiten, die durch ‚Event Risiken‘ entstanden sind, neu beurteilen.

Kurzum, letzte Woche hat mir der Markt eine Lehre erteilt.

Der Mittlere Osten und Nordafrika, vornehmlich Ägypten‘, war der Fokus der Berichterstattung. Bis heute weiss man nicht, wie diese Problematik gelöst werden wird.

Aber nach dem Schock der ersten schrecklichen Bilder aus Ägypten, nach den Überlegungen, welch irreversiblen Auswirkungen die Ägyptenkrise auf die Ölversorgung und vielleicht sogar auf die ganze Weltwirtschaft haben könnten, haben die Märkte am Freitag beschlossen, ‚die Kirche im Dorf zu lassen‘ wie man in Österreich sagt.

Kurz vor Handelsschluss hat der Ölpreis mit einem $2,50 Sturz die neuen Überlegungen eingeläutet. Gold und Silber dagegen konnten sich im positiven Preisbereich halten, aber die Preisbewegungen der letzten Handelsstunden waren nicht wirklich bullisch, sondern sie wurden im Endeffekt von der unglaublichen Stärke des US Aktienmarktes getragen.

Obwohl die US Arbeitsmarktdaten nicht gerade überzeugend waren, so ist die Arbeitslosenrate doch überraschend auf 9% gesunken. Das haben die Marktteilnehmer im Endeffekt als positive Entwicklung empfunden. Der Bondmarkt hat unter dem Eindruck der weiterhin positiven Wirtschaftsentwicklung in den USA auf höhere Zinsen gesetzt und ist stark gefallen.

Wenn ich all diese Überlegungen zusammenfasse, dann meine ich, dass der gnadenlose Dollarabverkauf der letzten Monate ein jähes Ende finden könnte. ‚The Trend is your Friend‘ heisst es generell; wer jedoch heute neue Positionen gegen den Dollar etablieren will, der befindet sich sicherlich auf sehr dünnem Eis und sollte jede Position mit engen Stops abdecken. Diese engen Stops können sich jedoch bei einer ersten Dollarkaufwelle als Multiplikatoren erweisen. Also, vielleicht doch Dollar gegen Aussie, Dollar gegen Swissie, Dollar gegen Yen und natürlich Dollar gegen Euro kaufen?

Es wäre Selbstmord, in einem öffentlichen Blog, eine Aufforderung zum Dollarkauf zu machen, gerade wenn der Bear-Market-Trend des Dollars noch keinen wesentlichen Einbruch erlitten hat. Persönlich tendiere ich aber genau dorthin. Wenn ich auch keine wesentlichen fundamentalen Gründe erkennen kann, die zu einer langfristigen Dollarstärke führen werden, so bin ich dem ‚Greenback‘ gegenüber zumindest in der nächsten Zukunft freundlich gesinnt.

Als Konsequenz dieser Annahme gehe ich davon aus, dass die Hausse der Edelmetalle ohne neues Hoch in der kommenden Woche vorläufig zumindest in einer Konsolidierung enden wird.

Das Gleiche gilt wohl für Öl und alle anderen Commodities, die nicht von unmittelbaren ‚Shortages‘ betroffen sind.

Der heutige Blog deutet an, dass ‚Change‘ ein Schlagwort der kommenden Woche sein könnte.

Hingegen erscheinen mir die Trends der Aktienmärkte (nach oben) und des Bondmarktes (nach unten) vorerst noch stabil. Das ‚Spike-Low‘ im Dow letzte Woche dient mir als Hinweis dafür. Mit den Budgetdefizitdaten, über die die USA uns am Ende der kommenden Woche informieren wird, könnte die Ruhe jedoch auch in diesen Märkten vorbei sein.

Und jetzt ab in den Flieger – man muss nicht bei jedem Marktgeschehen persönlich dabei sein.

Ich wünsche Euch allen eine schöne 2. Februarwoche.
Euer Gerhard Pilz