Liebe Leser!
Handeln bedeutet u.a. auch zu erkennen, dass man falsch liegt, dass man sich neu positionieren muss. Die letzte Woche hat mir gezeigt, dass es von Zeit zu Zeit notwendig ist, sich zurückzulehnen und seine Vorgangsweise zu überdenken.
Aber nicht nur das – die ,Event Risks‘, die ich letzte Woche beschrieben habe, sind Situationen, die jede Vorschau in Frage stellen können. Neben der strategischen Ausrichtung muss man bedingt durch unvorhergesehene fundamentale auch die technischen Gegebenheiten, die durch ‚Event Risiken‘ entstanden sind, neu beurteilen.
Kurzum, letzte Woche hat mir der Markt eine Lehre erteilt.
Der Mittlere Osten und Nordafrika, vornehmlich Ägypten‘, war der Fokus der Berichterstattung. Bis heute weiss man nicht, wie diese Problematik gelöst werden wird.
Aber nach dem Schock der ersten schrecklichen Bilder aus Ägypten, nach den Überlegungen, welch irreversiblen Auswirkungen die Ägyptenkrise auf die Ölversorgung und vielleicht sogar auf die ganze Weltwirtschaft haben könnten, haben die Märkte am Freitag beschlossen, ‚die Kirche im Dorf zu lassen‘ wie man in Österreich sagt.
Kurz vor Handelsschluss hat der Ölpreis mit einem $2,50 Sturz die neuen Überlegungen eingeläutet. Gold und Silber dagegen konnten sich im positiven Preisbereich halten, aber die Preisbewegungen der letzten Handelsstunden waren nicht wirklich bullisch, sondern sie wurden im Endeffekt von der unglaublichen Stärke des US Aktienmarktes getragen.
Obwohl die US Arbeitsmarktdaten nicht gerade überzeugend waren, so ist die Arbeitslosenrate doch überraschend auf 9% gesunken. Das haben die Marktteilnehmer im Endeffekt als positive Entwicklung empfunden. Der Bondmarkt hat unter dem Eindruck der weiterhin positiven Wirtschaftsentwicklung in den USA auf höhere Zinsen gesetzt und ist stark gefallen.
Wenn ich all diese Überlegungen zusammenfasse, dann meine ich, dass der gnadenlose Dollarabverkauf der letzten Monate ein jähes Ende finden könnte. ‚The Trend is your Friend‘ heisst es generell; wer jedoch heute neue Positionen gegen den Dollar etablieren will, der befindet sich sicherlich auf sehr dünnem Eis und sollte jede Position mit engen Stops abdecken. Diese engen Stops können sich jedoch bei einer ersten Dollarkaufwelle als Multiplikatoren erweisen. Also, vielleicht doch Dollar gegen Aussie, Dollar gegen Swissie, Dollar gegen Yen und natürlich Dollar gegen Euro kaufen?
Es wäre Selbstmord, in einem öffentlichen Blog, eine Aufforderung zum Dollarkauf zu machen, gerade wenn der Bear-Market-Trend des Dollars noch keinen wesentlichen Einbruch erlitten hat. Persönlich tendiere ich aber genau dorthin. Wenn ich auch keine wesentlichen fundamentalen Gründe erkennen kann, die zu einer langfristigen Dollarstärke führen werden, so bin ich dem ‚Greenback‘ gegenüber zumindest in der nächsten Zukunft freundlich gesinnt.
Als Konsequenz dieser Annahme gehe ich davon aus, dass die Hausse der Edelmetalle ohne neues Hoch in der kommenden Woche vorläufig zumindest in einer Konsolidierung enden wird.
Das Gleiche gilt wohl für Öl und alle anderen Commodities, die nicht von unmittelbaren ‚Shortages‘ betroffen sind.
Der heutige Blog deutet an, dass ‚Change‘ ein Schlagwort der kommenden Woche sein könnte.
Hingegen erscheinen mir die Trends der Aktienmärkte (nach oben) und des Bondmarktes (nach unten) vorerst noch stabil. Das ‚Spike-Low‘ im Dow letzte Woche dient mir als Hinweis dafür. Mit den Budgetdefizitdaten, über die die USA uns am Ende der kommenden Woche informieren wird, könnte die Ruhe jedoch auch in diesen Märkten vorbei sein.
Und jetzt ab in den Flieger – man muss nicht bei jedem Marktgeschehen persönlich dabei sein.
Ich wünsche Euch allen eine schöne 2. Februarwoche.
Euer Gerhard Pilz
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen