Sonntag, 30. Januar 2011

EVENT RISK

Gerne hätte ich den heutigen Blog meiner Vorschau der letzten Woche gewidmet. Aber die Handelsrealität hat mich am Freitag eingeholt und mein heutiges Thema heisst nicht umsonst ‚Event Risk‘.

Aber vielleicht wagen wir noch einen Blick zurück. Ich habe mir vorige Woche erlaubt, Euch – meinen Lesern – eine ganz konkrete wöchentliche Eurovorschau - mit dem möglichen Tiefstpreis und dem möglichen Hochpreis - zu präsentieren. Ohne fundamentale Entwicklungen ins Kalkül zu ziehen, konnte ich also auf Grund technischer Gegebenheiten eine ziemlich eindeutige mit Zahlen untermauerte technische Vorschau erstellen.

In vielen Trading Rooms der Finanzwelt geht es immer wieder um dieses Thema: ‚Sollen wir dem technischen Handel den Vorzug geben oder sollten unsere Positionen von fundamentalen Überlegungen geleitet werden?‘. Selbst nach 23 Handelsjahren traue ich es mir nicht zu, diese Frage klar und eindeutig zu beantworten. Ich lasse die fundamentalen News auf mich wirken, aber meine Ein- und Ausstiegspreise erarbeite ich mir durch technische Analysen.

Damit sind wir auch schon mitten im Thema des heutigen Tages.
Unser Eurozielpreis von 1,3750 wurde ja erreicht, aber nachdem dieser Preis erreicht worden war, hat es keine offensichtlichen Anzeichen einer Korrektur gegeben. Am Freitag Nachmittag dann, als in Ägypten der Volksaufstand begann, da kam auf einmal auch der Preiseinbruch.

Die Korrektur von 1,3750 wurde von mir vor einer Woche vorausgesagt, aber damals hätte ich keine Probleme in Ägypten vorausgesagt. Die Korrektur war in erster Linie das Ergebnis eines ‚Events‘.

Schauen wir irgendwann in den letzten Tagen ein Eurotageschart an, dann kann jeder Laie erkennen, dass der Trend des Euros gegenüber dem Dollar nach oben zeigt. Ein Trendtrader bleibt also ‚long‘ und lässt sich von Korrekturen nicht beirren.
Unsere Handelsstrategie ist eine ‚contrarian strategy‘ und versucht Korrekturen zu erkennen und damit Profite zu erwirtschaften.

Heute wissen alle Finanzberichterstatter auf der Welt, dass es auf Grund der Ereignisse in Ägypten am Freitag einen massiven Kapitalfluss in die etablierten Sicherheitswährungen gegeben hat: Dollar, Swissie, Yen.

Was passiert aber nun weiter in Ägypten. Niemand weiss es genau. Während des Wochenendes wird man sich darüber Gedanken machen, ob die Situation ausser Kontrolle geraten kann - gibt es einen Flächenbrand, der auch Saudi Arabien vielleicht erfasst – oder beruhigt sich die Lage.

Die Währungen haben also die Ereignisse am Freitag dazu verwendet, Preiskorrekturen zu machen. Silber, Gold und Öl waren die Nutzniesser der Events im Mittleren Osten. Das Öl hat leider auch meine positive Tagesperformance geschluckt – um es bildhaft auszudrücken. $89,60 als Höchstpreis und $89,40 als Schlusskurs war weit weg von meiner Ölvorschau für Freitag.

Das technische Bild von Öl und Silber hat sich mit dem freitägigen Schlusskurs auch insgesamt verbessert. Gerade Öl könnte nun in der kommenden Woche wieder den Sprung über $90 Dollar schaffen. Aber jede weitere Entwicklung ist wahrscheinlich eher von den Nachrichten aus dem Mittleren Osten abhängig als von bestehendem Angebot und Nachfrage.

Damit steht also fest, welche Produkte in der nächsten Woche wahrscheinlich volatil, gefährlich und interessant zugleich sein werden. Gold, Silber, Öl und US Aktien.
Eine länger anhaltende Krise im Mittleren Osten könnte auch nachhaltige Folgen für die globalen Wirtschaftskonglomerate und somit für die Aktienmärkte haben.

Es gilt also hoch konzentriert die fundamentalen Entwicklungen und gleichzeitig technische Schlüsselpreisbereiche zu beobachten, um gegebenenfalls zu agieren.

Viel Glück beim Handeln nächste Woche – es wird sehr spannend werden.

Euer Gerhard Pilz

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