Samstag, 8. Januar 2011

PREISEINBRUCH

Für einen technischen Analysten, der von zyklischen Preismustern überzeugt ist, war das Silberhoch am 2. Jänner ein geradezu wissenschaftliches Musterbeispiel. Genau 4 Wochen nach dem 2. Hoch und 8 Wochen nach dem ersten signifikanten Silberhoch hat das 3. Hoch ( ‚three runs to the top‘ ) technisch brilliant fast auf die Stunde genau übereinstimmend dem Silberbullmarkt eine wichtige Korrektur gebracht, die nun schon 5 Tage dauert. Der Gedanke ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir am 2. Jänner ein entscheidendes Hoch gesehen haben könnten.

Unsere Kunden, obwohl einige von Ihnen von Edelmetallen überzeugt sind und die Hausse der letzten Jahre ihnen natürlich langfristig recht gegeben hat, wissen, dass ich bereits seit einem halben Jahr von Edelmetallkäufen abrate. Edelmetalle haben ihren Investmentwert nur dann, wenn sie als hedging-Instrument gegen Krisen dienen oder wenn sie als langfristige Wertanlage verwendet werden, da es ja keine Zinsen auf Edelmetalle gibt. Der Bullrun des letzten Jahres wurde sehr stark vom Retailmarkt mitbestimmt. Für mich gilt in diesem Fall die alte Handelsweisheit: ‚Wenn Hausfrauen ein Produkt zu handeln beginnnen, dann befindet sich der Bullmarkt in einem zumindest vorläufigen Endstadium‘.

Allgemeingültig ist auch: ‚Verkaufe, wenn der Preis hoch ist, und kaufe, wenn der Preis niedrig ist‘. Gold über $1,000 ist einfach hoch. Jemand, der dieses Produkt bei $400 gekauft hat, kann es sich leisten, entweder dabeizubleiben oder Gewinnmitnahmen zu machen. Jemand, der bei $1,200 gekauft hat, befindet sich zwar derzeit in einer Gewinnzone, aber eine Minimalkorrektur bringt diesen Investor definitiv unter seinen Einstiegspreis. Die Frage, die sich mir stellt ist also, ‚wann werden die ersten Späteinsteiger bemerken, dass die Preise nicht nur hinaufgehen?‘ Ich bin davon überzeugt, dass Cash-reiche Hedgefonds vielleicht bald die Möglichkeit sehen, größere Gewinne bei einer Korrektur der Commoditiesmärkte zu lukrieren.

Ob wir nun davon ausgehen, dass der Silber- und Goldmarkt nur einen temporären Einbruch erleidet oder ein längerfristiges Hoch gesehen hat, ist egal. Eines ist sicher, tägliche und wöchentliche Charts signalisieren ein Reversal. Niemand kann voraussagen, ob das zu einer 12, 25, 32 oder 64 prozentigen Korrektur führen wird. Eine erhöhte Volatilität wird es schwierig machen, Einstiegspreise zu finden, bei denen das Risiko gut abschätzbar ist, aber zumindest in der kommenden Woche würde ich nur Einstiegspreise nach unten (short) zu finden versuchen.

Aber nicht nur die Edelmetalle haben Einbrüche erlitten. Öl, ein weiterer Leader auf dem Commoditiessektor, hat 4 bis 5 Dollars in einer Woche verloren. Als Österreicher, der ich Benzin- und Dieselpreise auf Rekordniveau für meine Tankfüllungen zahlen muss, schwer nachvollziehbar.

Diese Entwicklungen in den Commoditiesmärkten wurden von einem starken Dollar gefördert. Alle Leitwährungen mit der Ausnahme des Britischen Pfunds und des Kanadischen Dollars konnten dem Dollaraufschwung nichts entgegensetzen. Erst mässige Non-Farmpayrolldaten am Freitag führten zu einer Konsolidierung der Dollargewinne.

Der Verlierer der letzten Handelswoche ist der Euro, der die Woche unter 1,30 gegenüber dem Dollar beendet hat. Rein technisch gesehen, kann man auch für die nächste Woche keine positiven Signale des Euros gegenüber Dollar, Yen und Swissie erkennen. Die Gefahr besteht sogar, dass das Marktsentiment zu Extrembewegungen gegen den Euro führen könnten.

Die Liquidität wird nächste Woche wieder in allen Märkten gegeben sein, nachdem die Weihnachts/Neujahrsfeiertage hinter uns liegen. Die Aktienmärkte rücken für uns in den Fokus künftiger Handelsaktivitäten. Vorschauen, die eine Korrektur des Bullmarkts 2009/2010 vorhersagen, beginnen die Tradingräume zu überschwemmen. Die Bewegungen des US Aktienmarkts sind technisch schwer zu deuten, da auch ein mittelfristiger Retest des All-time-Highs eine Möglichkeit wäre, aber im Sinne von zyklischen Mustern, betrachten wir die korrigierenden Monate von 2010 auch als spannende Monate im Jahr 2011.

Mehr News nächste Woche – bis dahin ‚Guten Erfolg beim Handeln!‘

Euer Gerhard Pilz

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