Sonntag, 15. August 2010

Überraschung - oder doch keine?

Auszug aus meiner Markteinschätzung letzten Sonntag: ‚ Für die ersten Tage der kommenden Woche gilt wohl, dass der Euro vielleicht doch einige Tage der Korrektur oder der Konsolidierung einlegen wird. Ein neues Hoch, egal wie marginal es sein wird, wäre der ideale Zeitpunkt auf diese Korrektur zu setzen.‘ Das war eine klare Festlegung in keinem Fall ‚long‘ zu gehen!

Und, das war wohl der alles entscheidende Satz meines Blogs letzte Woche. Ein neues marginales Hoch wurde leider nicht erreicht, daher waren meine Einstiegsversuche auch recht zögerlich. So wie fast alle technischen Vorhersagen bei 133 versagt haben, so haben fast alle damals beim Low von 118 ebenfalls versagt. Die Lehre aus dieser Geschichte ist einfach. Ein Trendwechsel passiert dann, wenn der Markt unvorbereitet ist! Aber wo stehen wir nun?

Wir haben in den letzten Monaten nur eines aus den Währungsbewegungen gelernt : Fundamentale Erklärungen für Marktbewegungen sind gut und haben oft ihre Richtigkeit, aber im Grunde werden die Märkte vom Sentiment der Marktteilnehmer getragen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass der Euro bei fast perfekten europäischen GDP Daten für das 2. Quartal am Freitag nach unten ging? Es gibt keine Erklärungen; der Markt hat gedreht und das Ergebnis ist ein steigender Dollar. RISK DIVERSION TRADES heisst die neue Einschätzung; aber wie kann man auf den Dollar setzen, wenn die USA mit Megasbilanzdefiziten aufwartet und zusätzlich das Zinsdifferential für die europäischen Währungen spricht. Erklärungen für Bewegungen gibt es also viele, aber getrieben wird der Markt wie schon erwähnt vom SENTIMENT der Marktteilnehmer. Blicken wir also auf die ersten Monate des Jahres und versuchen wir die letzten 2 Monate als Korrektur des Trends zu sehen, dann müssen wir auf den Dollar setzen. Glauben wir aber, dass die Megadefizite der USA dieses Land vor weitere unlösbare Aufgaben stellen wird, dann müssen wir auf den Euro setzen. Um diesen schwierigen Fragen aus dem Weg zu gehen, müssen wir als Traders vorläufig nur die kurzfristige Situation näher beleuchten und uns Woche für Woche nach vorne tasten.

Tatsache ist, dass der Euro am niedrigsten Punkt der Woche geschlossen hat. Daraus schliessen wir, dass es nächste Woche niedrigere Preise geben wird – ob diese niedrigeren Preise am Wochenbeginn, zur Wochenmitte oder am Wochenende da sein werden, das kann vorläufig niemand sagen. Tatsache ist auch, dass die stündlichen Charts schon ziemlich niedrig sind. Tatsache 3 ist, the trend is your friend! Vorläufig geht der Trend nach unten, 127,40 ist ein relativ kritischer Support – von hier könnte der Markt versuchen eine Countertrendrally zu starten, 130,50 sollte diese Woche nach oben hin den Euro begrenzen. Wichtig ist es am Montag zu beobachten, ob der Markt GAP-DOWN (mit einem Loch gegenüber dem Freitag-Schlusspreis) öffnet. Sollte so ein potentielles Preisloch am Ende des Montags nicht geschlossen sein, dann spricht man von einem möglichen Run-Away-Gap und höchste Vorsicht bei Käufen ist geboten.

Aber da wäre noch das wöchentliche Chart – es hat einfach noch nicht gedreht und daher – leider – könnte die Bewegung der letzten Woche, so volatil sie auch gewesen ist, nur eine Korrektur der Aufwärtsbewegung der letzten 2 Monate sein.
Die Situation ist diesmal definitiv verfahren! Jeder Trade muss daher gut überlegt sein und man muss sehr kurzfristig denken. Da der Trend vorläufig nach unten zeigt, ist es sicherlich besser, bei guten Preisen zu verkaufen anstatt zu kaufen.
Das sind die Überlegungen eines Traders vor Beginn der neuen Handelswoche. Lese ich das, dann bleibt mir nur eines übrig – When in doubt, stay out!

Gold war wohl der Gewinner der Woche. Die Unsicherheiten der Finanzwelt haben Gold wieder über 1200 getrieben. 1220-1225 werden kritische Resistenzpunkte werden. Wie ich schon letzte Woche ausgeführt habe, die Rally der letzten Wochen ist nicht sehr Preis-effektiv. Daraus lässt sich jedoch noch nicht schliessen, dass Gold nicht bereit ist, früher oder später nach oben zu beschleunigen. Wer mich kennt, der weiss jedoch, dass ich es persönliche nicht in Erwägung ziehe, dieses Produkt auf diesem Preisniveau zu kaufen. Aber das war ich auch nicht bei Öl als Öl 100 Dollars pro Barrel erreicht hatte. Wenn ein Trend etabliert ist, dann kann man nie sagen, was der höchste Preis sein wird. Was ein Trader aber auf alle Fälle weiss, das Preisniveau von Gold ist hoch und hohe Preise versucht man eher zu verkaufen als zu kaufen!

Ich weiss, das waren weniger Analysen als ‚live‘-Trading-Überlegungen. Aber meine Kundengespräche haben mir gezeigt, dass viele von Euch eher langfristige Investmentstrategien verfolgen oder auch kennen. Die heutige Zeit, mit ihren schnellen Veränderungen, die braucht aber Investoren, die sich immer wieder und sehr flexibel auf neue Situationen einstellen können. Früher ist man zur Bank gegangen, hat einen Kredit über 20 Jahre für die Finanzierung seines Hauses unterschrieben, und man hat einen Job gehabt, der die Rückzahlungen des Kredits meistens über die volle Laufzeit abgesichert hat. Heute gibt es Personalleihfirmen, die Arbeitskräfte für 2 Wochen, 3 Monate, 3 Jahre verleihen, …. , heute reagiert ein Betrieb bei Auftragsrückgängen sofort mit Kündigungen. Es gibt daher weder die Sicherheit, dass der ‚Hauskredit‘ in 3 Jahren noch bedient werden kann, noch, dass bei Fremdwährungskrediten zum Beispiel sowohl das Fondansparungsmodell als auch das riskante Währungsgeschäft über die Laufzeit des Kredits funktionieren wird.
Jetzt blicken wir noch auf die wohl interessantesten Chartkonstellationen der kommenden Woche - mit einer gewissen Skepsis, aber auch mit dem Wissen, dass Gewinne möglich sind.

Die US Aktienmärkte und Öl – derzeit handeln diese 2 Produkte fast im Gleichklang - zeigen Schwächen und es wird an uns liegen, herauszufinden, ob diese Schwächen strukturell oder nur korrektiv sind. Hier gibt es jedenfalls eine klare Tendenz meinerseits ‚short‘ zu gehen (zu verkaufen). Die 30-jährigen Longbonds haben dagegen massiv zugelegt und am Wochenhoch geschlossen – werden die Zinsen dieses Woche weiter sinken? oder gibt es doch Gründe dafür, dass die Zinsen zumindest leicht anziehen können?

Fragen, die derzeit nicht klar beantwortet werden können, daher muss man in der kommenden Woche mit einem gewissen Respekt an die Arbeit gehen. Die Richtung kennen wir, da die letzte Woche sehr klare Vorgaben gebracht hat – jetzt gilt es, aus dieser etwas unklaren Marktsituation mit ‚klaren‘ Richtungen, Profite zu erwirtschaften!

PS: Ich muss Euch – alle Leser dieses Blogs – klar darauf hinweisen sein, dass der neue Blog immer am Wochenende herauskommt. Spätestens Dienstag Abend könnte und müsste ich - rein technisch gesehen - eine neue Marktbeurteilung schreiben. Da wir bei TASK INVEST aber nicht im Newslettergeschäft sind, gibt es keinen Updateblog während der Woche. Dafür gibt es Kunden-News-Alerts per SMS, die Euch über die neuesten Marktentwicklungen informieren. Diese Blogs sind auch keine Aufforderung Buy oder Sell Positionen selbst zu initiieren, da dies zu unabsehbaren Verlusten führen kann!

Auf eine gute neue Handelswoche!
Euer Gerhard

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