Sonntag, 29. August 2010

Das Ferienende wurde eingeläutet

Ich war mir nicht sicher, ob ich diese Marktbeurteilung mit 'weit gefehlt letzte Woche' einleiten sollte, aber nach Durchsicht meines Blogs von letzter Woche finde ich, waren doch genügend Hinweise darauf gegeben worden, dass die Marktsituation nicht ganz klar und übersichtlich war.

Nochmals muss ich betonen, dass ich diesen Blog am Beginn einer neuen Handelswoche schreibe, also nur einmal pro Woche. Kunden der TASK INVEST AG erhalten jedoch SMS Updates und wussten daher auch, dass der Mittwoch letzter Woche recht signifikante Bewegungen mit sich brachte, die entscheidend für die Handelstage am Ende der Woche waren.

Der erste Hinweis darauf, dass die Trendsituation nicht mehr eindeutig ist, brachte ein Candlestick Reversal Tag bei den Bonds. Fast 137 erreicht und die Drehung kam. Die Aktien folgten dieser Drehung nicht in der Stärke, wie das bei echten Drehungen nun mal gut gewesen wäre. Also war Vorsicht weiterhin angesagt. Der nächste Hinweis kam vom Ölmarkt. Er konnte die runde 70 Dollar Marke nicht unterschreiten. Alles passte also nicht zusammen, obwohl die technischen Hinweise überwältigend waren und daher wurden diese auch von mir nicht übersehen.

Die fundamentalen Hinweise gibt es aber auch heute noch nicht, weder dafür, dass die Bonds nun bereits auf einem Preis über 3 Punkte niedriger als am Mittwoch stehen, noch dafür, dass der US Aktienmarkt und Öl am Freitag eine tolle Rally hinlegten.

Was erwartet uns also in der kommenden Woche.

Es wäre Unsinn zu glauben, dass das Reversal der letzten Woche im Angesicht der betrüblichen ökonomischen Daten der USA einfach übergangen werden kann. Also sollten wir uns geistig zumindest am Beginn dieser Woche darauf einstellen, dass der begonnene Trend der letzten Woche etwas gefestigt wird. Das würde bedeuten, die Aktien werden noch etwas nach oben wandern, die Bonds noch etwas nach unten, obwohl ich hier doch leichte Korrekturen zur Bewegung am Freitag erwarte.

Und die Währungen - hier sehe ich doch etwas klarer. Der Dollar dürfte dem Druck der problematischen US Wirtschaftsdaten doch nicht ganz gewachsen sein. Risk Aversion Trades dürften sich etwas auflösen. Der Swissie hat die Chance gegenüber dem Euro etwas nachzugeben und der Yen wird unter dem Druck der japanischen Wirtschaftsdaten und den nun ganz klar ausgesprochenen Drohungen direkter Währungsinterventionen leiden.

Der Euro schwächelt aber ebenfalls, daher waren seine Aufwärtsbewegungen nicht sehr überzeugend. Man fragt sich, wie eine Währung steigen soll, wenn die Probleme von Irland, Griechenland, Spanien und Portugal so vielfältig sind, dass keiner wirkliche Lösungen für die Finanzprobleme dieser Länder bereit hat. Und da wäre ja noch Ungarn. Was wird dort passieren? Die Antwort auf die Frage nach einer Zunahme des Eurowerts gegenüber dem Dollar scheint im Moment einfach zu sein: die leidenden US Wirtschaftsdaten werden als das größere Übel gesehen, also sollte der Euro vorerst auch mehr Potential haben als der Dollar.

Das Reversal letzter Woche ist also dem Überbegriff 'Prinzip Hoffnung' unterzuordnen. Hoffnung, wie es der FED Chairman am Freitag ausgedrückt hat, Hoffnung darauf, dass die US Wirtschaft zumindest bis ins erste Quartal 2011 doch signifikantere Verbesserungen erleben wird als bisher.

Ich werde kein Spielverderber sein: Am Beginn der Woche werde ich den US Aktienmarkt alles Gute wünschen und seiner Downside nur korrektive Preisverminderungen einräumen. Dem Euro und dem Pfund sowie dem Aussie Dollar gestehe ich höhere Preise zu. Aber, und das betone ich hier, solange die Situation nicht auch durch fundamentale Daten untermauert wird, werde ich im besten Fall vorsichtig nach oben hin agieren. Öl bleibt Fokus meines Handelsinteresses: 76,80 bis 77,50 Dollars ist mein erstes Preisziel hier.

Vielleicht noch ein Wort zum berühmten Hindenburg-Omen. Ein wichtiger Kunde der TASK INVEST AG meinte vor 2 Wochen, ich sollte mich mit diesem berühmten Omen, welches in den letzten Wochen die Headlines vieler Medien beherrscht hat, beschäftigen. Beschäftigt habe ich mich tatsächlich damit; und habe meinem Kunden dann mitgeteilt, er solle an seinem Geburtstag einen Liter Whiskey trinken, danach einer weissen Linien entlanggehen und jede Abweichung seines Schrittes nach links oder rechts als erstzunehmenden Hinweis auf die zukünftige Richtung des US Aktienmarktes sehen. Es gibt ja wirklich die absurdesten Theorien und nicht jede Theorie - auch wenn sie noch so viele Medien aufgreifen - hat Substanz. Ein CNBC Reporter fragte vor 2 Tagen einen Kollegen on-air 'hast Du schon jemals von diesem Hindenburg-Omen gehört, von dem jetzt alle schreiben'; sagte der andere 'ganz ehrlich, Nein, noch nie bevor ich darüber im Wallstreet Journal gelesen habe'. Der Markt hat dem Spuk des Hindenburg-Omens jedenfalls Freitag seine Rechnung präsentiert: Rally und Tschüss dem Hindenburg-Omen.
Natürlich könnte der Aktienmarkt im September und Oktober saisonal wie so oft auch nach unten gehen, aber bitte lassen wir die Omen nicht Teil eines Kapitalmarktes werden, welcher unser ökonomisches und finanzielles Befinden wesentlich mitbestimmt.

Aus der Bergwelt des Bregenzerwaldes schicke ich Euch 'liebe Grüße' und ich wünsche uns allen eine profitable Handelswoche!

Euer Gerhard

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