Liebe Leser!
Ich beobachte gerade wie ein Flugzeug Zürich Airport verlässt. Wohin dieses Flugzeug 200 Personen bringen wird, weiss ich nicht. Vor mir sehe ich 20 solcher Flugzeuge. Wenn alle diese Flugzeuge zusammen 4000 Menschen fassen, dann kann man sich ausrechnen, wie viele Flugzeuge es brauchen würde, 30 Millionen Einwohner aus dem Grossraum Tokyo auszufliegen. Ganz abgesehen vom logistischen Aufwand, wohin sollten diese Menschen gebracht werden. Und was wäre, wenn ein Supergau stattfinden würde und der Wind Richtung Korea und China drehen würde?
Unsere Welt hat sich in 48 Stunden verwandelt. Menschen interessieren sich nicht mehr für Libyen, für ein paar verrückte Autokraten in Nordafrika und im Mittleren Osten, die Macht und Geld besitzen wollen und bereit sind, bis zu ihrem Tode dafür zu kämpfen. Wir beginnen uns dafür zu interessieren, was die hochtechnologischen Länder in ihrem Streben nach mehr Wohlstand bereit waren zu riskieren.
Wir sehen zehntausende Tode, hunderttausende Flüchtlinge, vielleicht Millionen, die erhöhter Strahlung ausgesetzt sein werden, und alles wird live übertragen.
Die Welt erlebt nach den Finanzkrisen die nächste grosse Krise.
Die Weltkriege sind in den letzten 50 Jahren ausgeblieben; die Kriege, die den Wirtschaftsaufschwung immer wieder einen Kickstart gegeben haben. Ist das nun die Krise, die unsere Ökonomien wiederbeleben wird?
So fragwürdig diese Sätze alle klingen mögen, aber ich hatte am Freitag ein denkwürdiges Erlebnis. CNBC hat einen Währungsexperten über die Auswirkungen des Bebens und des Tsunamis auf den Yen befragt. Die Antwort war eindeutig: 'natürlich können wir in der nahen Zukunft nur mit einer Schwäche rechnen' meinte dieser. Und er sprach etwas aus, was der Markt in diesen frühen Morgenstunden des Freitags auch so sah, zumindest vorerst. Was in den Stunden danach passieren sollte, war - glaube ich zumindest - für viele Währungshändler nicht unmittelbar fassbar. Wir sahen die stärkste Yenrally des Jahres 2011.
Die Erklärung im Nachhinein könnte vielfältig sein, aber das Hauptargument liegt wohl in der Tatsache, dass Teile von Japan nun wiederaufgebaut werden müssen und dadurch die kränkelnde Volkswirtschaft wiederbelebt wird. Ob die atomare Katastrophe, die nun möglicherweise dem Tsunami folgt, dem Yen in der kommenden Woche zusetzen wird, bleibt abzuwarten.
Diese Einschätzung des Yens, die offensichtlich von der Mehrheit der Marktteilnehmer gemacht wurde, mag für viele pervers sein, aber vielleicht haben wir auf so eine Katastrophe gewartet, vielleicht ist diese Katastrophe, bzw. sind all die Krisen, die wir derzeit erleben, der Befreiungsschlag unseres Wirtschaftssystems?
Ich stelle diese Annahme unter ein grosses Fragezeichen und wünsche mir, dass der Yen seine Rally am Montag nicht ohne zumindest einer signifikanten Korrektur fortsetzt.
Silber hat bis Freitag wie der grosse Verlierer der Woche ausgesehen, aber die Katastrophe in Japan hat den Edelmetallen neues Leben eingehaucht. Zumindest ist diese Reaktion des Marktes nachvollziehbar - Edelmetalle als Krisensicherung.
Der Dollar hat am späten Freitag sehr unter den Ereignissen gelitten und selbst der unter Druck geratene Euro konnte sich wieder auf einen Preis über 1,39 hinaufarbeiten.
Öl und Baumwolle haben dagegen am Ende der Handelswoche geschwächelt. Die Schlusskurse von Öl über 100 und Baumwolle über 200 geben jedoch noch keine eindeutigen Reversalzeichen.
Eine Preisvorschau für nächste Woche zu machen, wäre Schwindel am Kunden. Die Situationen, die sich nun ergeben, müssen jeden Tag neu bewertet werden. Vorsichtig optimistisch beurteile ich die nahe Zukunft des Euros. Trotz der Silberrally am Freitag bin ich nicht überzeugt, dass die Commodities als Gruppe große Preissprünge nach oben machen werden. Versorgungsengpässe, lebensbedrohende Katastrophen, wie wir sie nun erleben, können aber diese Theorie kurzfristig ad absurdum führen.
Verfolgen Sie unsere News Alerts - die werden Sie up-to-date halten über die neuesten Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Märkte.
Die kommende Woche birgt viele Risiken und Extrembewegungen werden erwartet.
Euer Gerhard
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen