Liebe Leser!
Katastrophen, politische Revolten, Kriege - das ist 2011. Die Finanzmärkte eilen von einer Ausnahmesituation zur nächsten. Als Händler ist man bemüht, seine Einstiegspreise bzw. seine Positionen unter den ständig sich ändernden Gegebenheiten neu und richtig zu beurteilen.
Man ist als Futureshändler täglich gezwungen, nicht nur hoch konzentriert bei der Arbeit zu sein, sondern auf News sofort und ohne zögern zu reagieren. Letzte Woche hatten wir die Gelegenheit, einen neuen Finanzmarktbegriff näher kennenzulernen. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Begriff heuer noch Einzug in die Universitäten dieser Welt nehmen wird: REPATRIATION PURCHASES.
Während der Boomjahre in Japan, die eigentlich vor 20 Jahren geendet haben, legte Japan seine Geldüberschüsse hauptsächlich im Ausland an, da man im eigenen Land um jeden Preis Inflation vermeiden wollte. Massive Gelder wurden in Fremdwährungen, insbesonders in ausländischen Bonds angelegt. Wenn man der Berichterstattung der letzten Woche Glauben schenken darf, dann haben auch private Bürger in den letzten 20 Jahren sehr viel Geld in Fremdwährungen angelegt. Naheliegend ist es, da eine Yenanlage ja kaum oder gar keine Zinsen gebracht hat.
Nun, bedingt durch die Notsituation, sind Institutionen aber auch private Anleger gewzungen, ihr Geld zum Wiederaufbau zu verwenden. Dollars, Euros und andere Fremdwährungen werden also in Yen zurückgewechselt. Diese Vorgangsweise nennt man REPATRIATION PURCHASES.
Der rasante Anstieg des Yens begann am Tag des Erdbebens. Am Mittwoch letzter Woche stand der Preis am All-Time-High gegen den Dollar. Über diesem All-Time-High waren die Stop-Loss Bereiche aller institutioneller Anleger zu finden. Einige Minuten nachdem die Futureswährungsmärkte für ihre stündliche Pause schlossen, drückten Spekulanten den Yen über das All-Time-Hoch und lösten eine Kursexplosion aus. Innerhalb kürzester Zeit waren 300 Punkte verloren. 20 Verträge auf der falschen Seite - das bedeutete ein Verlust von $75,000; und das zu einem Zeitpunkt, wo man im Futuresmarkt nicht einmal eingreifen konnte. Der Schluss liegt nahe, dass Hedgefonds diesen Zeitpunkt ausgenützt haben, um einen maximalen Effekt zu erzielen.
Die nächsten Stunden wurden zum Krimi. Als die Futuresmärkte wieder öffneten, kam es zu Gegenbewegungen, aber natürlich konnte man nicht mehr erwarten, dass der Preis zurück über 80 gehen würde. Immerhin war eine entscheidende Preishürde geknackt worden.
Zwei Nächte später kam der Gegenschlag. Eine koordinierte Währungsintervention der G7 Zentralbanken, wie wir sie seit 10 Jahren nicht mehr gesehen haben, in den frühen Morgenstunden des Freitags, drückte den Yen zurück unter das bereits durchschlagene All-Time-Hoch.
Die Marktteilnehmer lassen sich von Interventionen normalerweise nicht vom eingeschlagenen Weg abbringen. Die letzten Stunden des Freitags wurden also noch dazu verwendet, Boden wieder gut zu machen. Der Yen schloss die Woche auf Rekordpreisniveau - einerseits. Andererseits ist das Spikelow vom Mittwoch doch fast 400 Punkte entfernt. Der Kampf Pro und Con Yen wird nächste Woche fortgeführt werden.
Im Hinterkopf jedes Traders sitzt aber das Wissen, dass die Zentralbanken im Moment wohl keinen Spass verstehen, daher wird ein etwaiger Retest des Hochs, wenn er überhaupt kommt, wahrscheinlich etwas Zeit benötigen.
Im Kampf Märkte gegen Zentralbanken ist fast der Untergang des Dollars vergessen worden. Der Euro konnte die Woche über 1,41 gegenüber dem Dollar schliessen. 142,50, das Retracement Hoch letzten Jahres, ist unser nächster Zielpreis. Technisch scheint aber der Weg bis 1,50 möglich.
Vielleicht bringt der Libyenkrieg dem Dollar eine kurzfristige Entspannungsrally. Das ist im Moment nicht abzuschätzen. Die Volatilität wird hoch bleiben.
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Viel Spass beim Handeln!
Euer Gerhard
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