Eine recht volatile Woche ist am Freitag mit Preisbewegungen zu Ende gegangen, die vielen Händlern massive Verluste gebracht haben. Eine der Eigenarten der vorigen Woche war das zumindest zeitweise Abkoppeln von schon länger etablierten Inter-Produkt-Crossverhältnissen.
So sank der Euro in den letzten Stunden des Wochenhandels stark gegenüber dem Dollar. Gleichzeitig haben sich aber Gold, Silber und Öl vom Absturz der ersten Handelsstunden am Freitag befreien können und legten eine Wochenendrally hin, die viele Trader kalt erwischt hat. Noch kälter war für diese Händler das Erwachen am Montag Morgen als die Edelmetalle und Öl wieder auf Talfahrt gingen.
Diese Volatilität, über die ich schon letzte Woche geschrieben habe, sind typische Zeichen für einen möglichen Trendwechsel. Man sieht zum Beispiel die 'hardcore'-Edelmetallbelievers, die jede Korrektur als Einstiegspreis für die Etablierung neuer 'Long-Positionen' sehen. Diese fundamentalen Einstiege von Käufern in Edelmetalle sind oft so gewaltig, dass die Seller immer wieder durch ihre eigenen Stop-Loss Aktivitäten aus dem Markt geworfen werden. Diese kumulierten Käufe führen zu den extremen Preisbewegungen, die von vielen Käufern als Bestätigung ihrer Investmentlinie gesehen werden.
Als langjähriger Händler bleibt mir dabei aber die Preisaktivität nicht verborgen. Nehmen wir zum Beispiel Silber: Der erste Retracementpreis von über $39.00 konnte in den letzten 10 Tagen nie mehr erreicht werden. Auf immer niedrigeren Niveau beginnen die Hedgefonds Ihre Verkaufsaktivitäten. Der Eindruck liegt nahe, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis $32 Dollar bei Silber fallen wird. Bei Öl liegt die Barriere, die es gilt nach unten zu brechen, bei $95.00.
Gleichzeitig beginnt sich die technische Situation der Aktienmärkte zu verschlechtern. Der Schluss liegt nahe, dass die latente Krise, die seit 2008 die Welt in ihrem Bann hält, wieder akut werden könnte.
Eine akute Krise endet vielleicht nicht so wie es die Investmentgurus in den letzten 12 Monaten so gerne vorausgesagt haben: Edelmetalle schiessen in ungeahnte Höhen, der Dollar kollabiert. Die Realität könnte viel problematischer werden:
Liquidität wird dem gesamten Finanzsystem entzogen. Die Nachfrage nach Investments crashed auf der ganzen Linie. Commoditypreise fahren in den Keller, da die Preise nur mehr von der tatsächlichen Nachfrage bestimmt wird. Diese geht auch zum Beispiel bei Edelmetallen extrem zurück, da kein Cash verfügbar sein wird. Den globalen Firmen stehen viel weniger bis keine Kreditlinien mehr zur Verfügung. Neue politische und andere Streikbewegungen vor allem in den schwer angeschlagenen peripheren Euroländern verlangen ein Ende der Schuldenrückzahlungen und vollen Einsatz der Regierungen für das Volk. Zinszahlungen einzelner Länder enden unvermutet. Das duale System eines fast unabhängigen liberalen Finanzsystems und einer Realwirtschaft, die sich gerade noch am Leben halten kann, bricht langsam zusammen.
Ein Horrorszenarium, da es wie immer gerade die schwächsten Länder und die Schwächsten in der Bevölkerung am härtesten treffen wird. Zur Zeit sind noch einige clevere Zentralbankdirektoren, Finanzminister und andere Polit- und Wirtschaftsleader dabei, auf dem Verhandlungsweg unser System auf Kurs zu halten. Aber wie lange kann quantitative Easing, Euroschutzschirm und Milliardenhilfen für wankende Giganten wie zum Beispiel Ägypten (um nur einige Massnahmen zu nennen), die Bevölkerung, die Tag für Tag ums Überleben kämpfen muss, im Systen (oder besser 'in Zaum') halten?
Ein erschreckendes volkswirtschaftliches Szenarium, welches ich hier entwickelt habe. Aber als Händler sollte man versuchen, mittelfristige Bewegungen von Finanzprodukten zu verstehen. So sehe ich die Bewegung der letzten Woche als vorläufige Bestätigung einer Trendumkehr. Neues Gedankengut beginnt den Preis des Dollar, des Euros und der Edelmetalle zu beeinflussen. Im Zuge der Finanzierungsprobleme in Europa erscheint die Dollarkrise nicht mehr so schwerwiegend, also könnte der Dollar sich von seiner Schwäche etwas erholen. Dagegen bleiben der Swissie und der Yen Kleinods der Investmentgesellschaft und strahlen relative Preissicherheit aus. Silber und Öl, als momentane Leitcommodities, werden in den nächsten Wochen den wichtigsten Hinweis darauf geben, ob die Commoditieshausse zu Ende ist, oder nur einen temporären Rückschlag erleidet.
Das Sentiment im Markt, welches sich zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus den politischen Entwicklungen auf der Welt ergeben wird, wird letztendlich darüber entscheiden, welchen Weg die Finanzprodukte nehmen werden.
Vorläufig befinden sich die Preise noch innerhalb des Konsolidierungsrahmens der letzten 2 Wochen. Erst ein Bruch dieses Rahmens wird Aufschluss darüber geben, ob die Tendenzen, die ich hier vermute, Wirklichkeit werden.
Eine spannende Handelswoche hat begonnen!
Viel Glück
Euer Gerhard
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