Sonntag, 25. Juli 2010

Standortbestimmung 25. Juli 2010

Eigentlich sollte ich diese Woche keine Vorschau schreiben – dafür gibt es zwei Gründe:
- die Vorschau vom 17. Juli ist eigentlich inhaltlich noch immer gültig
- ich bin so gut wie auf Urlaub (meine Tochter ist aus Hong Kong auf Besuch und am Donnerstag geht es für eine Woche nach Rhodos).

Also könnte man den jetzigen Zeitpunkt als Ruhepause betrachten. Wenn man sich auf einer Bergtour befindet, dann sucht man sich für Ruhepausen den richtigen Ort aus …. Ein großer Stein zum Sitzen, von dem ein guter Ausblick ins Tal möglich ist – und man die Gedanken ordnet ….

Diese Ruhepause mitten im Jahr sollten wir dafür benutzen, eine Standortanalyse durchzuführen. Dafür möchte ich mir den Euro näher ansehen:
Im ersten Quartal hat sich die Meinung durchgesetzt, dass der Euro schwächer werden muss. Gründe dafür gab es verschiedene: die US Wirtschaftsdaten sind vergleichsweise mit den europäischen positiver gewesen und haben die Vermutung nahe gelegt, dass US Zinsen steigen könnten. Die Finanzierungskrise von Griechenland und in weiterer Folge anderer EU Staaten hat dem Markt eine mögliche Abwertung des Euros nahegelegt.

So ist es dann auch gekommen. Die Talfahrt von 1,40 bis 1,20 war eher rasant und alle Wirtschaftsdaten, die in dieser Zeit veröffentlicht wurden, haben die Entwicklung nur forciert. Bei 1,19 kam dann die eher überraschende Wende. 1,25 aber auch 1,28 waren damals noch realistische Gegenbewegungsziele.

Doch die Gegenbewegung hat sich verselbständigt. Der Grund dafür liegt in einer breit angelegten Dollar Schwäche. Die US Wirtschaft wächst doch nicht so, wie man sich das vorgestellt hat; die Arbeitslosensituation hat sich zwar leicht verbessert, aber ist nicht wirklich Vertrauens-bildend. Man ist weit weg von Zinsanstiegen wie es scheint, wodurch sich auch das Zinsdifferential zum Euro nicht verändert.
Aber da bleibt die Finanzierungskrise, die sich noch auf Ungarn und wer weiss, vielleicht auch auf andere Staaten ausdehnen könnte. Ein ziemlich problematisches Bild.

Diese Woche kommt noch dazu, dass Nordkorea einen nuklearen Schlag angekündigt hat – man weiss nicht, wie ernst solch eine Bedrohung, die die Welt - insbesonders Asien - innerhalb von Stunden verändern könnte, zu nehmen ist.
Und da ist noch die schwierige wirtschaftliche Situation Chinas, die alle möglichen Fragezeichen aufwirft.

All diese Punkte favorisieren einmal diese Währung, einmal die andere. Das größte Problem für den Euro im Moment ist aber die Finanzierungskrise, weil diese vielleicht nicht kurzfristig, aber dafür längerfristig vorerst ungelöst bleibt und wie ein Damoklesschwert über dem Euro hängt.

Die Gewinner bleiben Hochzinswährungen auf der einen Seite und Währungen, die ein sicheres Umfeld bieten wie z.B. der Schweizer Franken.

Kriege, Kosten, fragwürdige Wirtschaftsdaten – das ist die USA im Moment; und der Aufschwung des US Dollars war somit limitiert und man muss sich fragen, ob die derzeitige Dollarschwäche – eine Systemschwäche – nicht bis zum Jahresende anhält?

Aber Systemschwäche zeigt eben auch der Euro. Was übrig bleibt sind technische Beurteilungsmöglichkeiten. Der Euro hat vorige Woche die Triple-Zero Zahl 1,3000 nicht durchbrechen können, aber der Euro hat auch nicht wirklich Schwäche gezeigt und 1,2750 hat sich als unüberwindbar nach unten erwiesen.

Über das Wochenende hatte man Zeit, die Stresstestergebnisse wirklich zu analysieren. Da wird man erkennen, dass nicht alles so rosig aussieht wie es im ersten Moment erschienen ist.

Daraus ergeben sich zwei Erkenntnisse:
1,2750 bis 1,3000 wird zur Tradingrange – vorerst gebe ich einem Bruch von 1,3000 eine 75%ige Chance in der nahen oder etwas ferneren Zukunft. 1,3250 zu überwinden wird aber in der nahen Zukunft nicht einfach werden. Das heisst, ich setze darauf, dass der Euro sowohl das Jahreshoch als auch das Jahrestief bereits gesehen hat.
Der Schweizer Franken dagegen aber auch der Aussie Dollar und der Britische Pfund sind die Währungen, auf die ich bei Aufwärtsbewegungen setzen würde.

In diesem Sinne – Einen schönen Urlaub – nächstes Wochenende gibt es keinen Update!

Bis im August!

Euer Gerhard

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