Sonntag, 17. Oktober 2010

Schnee auf den Bergen

Schnee war das Erste, was ich heute im Fernsehen gesehen habe ... und es ist erst der 17. Oktober. Extreme Wetterverhältnisse. Genauso extrem wie die Märkte im Moment agieren. 2 Tage in Folge konnte Silber vorige Woche beinahe jeweils einen Dollar zulegen und hat sogar an der 25 Dollar Marke gekratzt, Cotton hat nicht nur 110 überschritten, so wie von mir letzte Woche vorausgesagt, sondern 119,80 erreicht. 'Excessiv exuberance' ist das untrügliche Zeichen, dass wir vorläufig in der letzten Phase eines Commodity Bull Runs sind. Man erinnere sich noch an die Ölhausse von 2008. Wer hätte Öl damals bei 150 Dollars pro Barrel vermutet.

Auf welch kompliziertem Marktverhalten diese Rally jedoch aufgebaut ist, hat uns der Freitag gezeigt. Einige unschuldige Bemerkungen des Fed Chairman's und schon dreht sich alles. Ein Kommentator von CNBC hat es auf den Punkt gebracht als er meinte: Diese Rede des Chairman's hätte auch schon vor einem Monat gehalten werden können. Dieser hat nämlich wirklich keine Neuigkeiten zum Besten gegeben. Er hat aber darauf hingewiesen, dass QE2 (der 2. Versuch durch quantitative easing die Wirtschaft zu beleben) möglicherweise geringer ausfallen könnte als ursprünglich geplant, da sich die Steuereinkünfte langsam normalisieren oder besser gesagt stabilisieren.

Liebe Leser! Diese sehr volkswirtschaftlichen Erklärungen, für die Schulkenntnisse zum Verstehen kaum mehr reichen, genügen aber nicht, um zu verstehen, dass die Märkte von der Mehrheit der Marktteilnehmer beeinflusst werden und nicht immer mit fundamentalen Erklärungen verstanden werden können.

Da ist es doch klarer, wenn ich behaupte - 'was schnell hinauf geht, das kommt auch wieder schnell herunter'. So gesehen bei der Baumwolle, die es nach dem Hit von 119,80 geschafft hat unter 110 zu schliessen. So gesehen beim Euro, der nach 1,4150 gleich wieder unter 1,40 geschlossen hat. Die Mehrheit der Marktteilnehmer sind also nicht mehr nur Trend-Followers. Was ich vor 2 Wochen in meinem Blog angedeutet habe, dass der Trend bald unter aggressiven Countertrendtrades leiden wird, der hat nun live miterlebt, was ich damals gemeint hatte.

Aber was nun: Jetzt wird es kompliziert - gehe ich wieder 'long the market' oder haben wir preislich gesehen einen wichtigen 'top in place'. Im Fachjargon erwarten wir nun 'backing & filling'. Die Währungen haben nun ein hohes Potential die kommende Woche auf und ab, und zwar in der Range der letzten 2 Wochen zu handeln. Einige technische Analysten sehen die Möglichkeit eines entscheidenden Markttops gegeben. Ich verschliesse mich dieser Ansicht nicht, aber ich sehe sowohl am wöchentlichen als auch am monatlichen Chart noch keine Trendveränderung. Klar ist für mich jedoch, dass wir z.B. 1,38iger Levels beim Euro sehen sollten, aber auch ein Preis bei 1,4050 ist realistisch. Auch der Yen, der Pfund der Aussie und der Canadian haben ein hohes Potential, eine Woche seitwärts zu handeln. Risikotrades kommende Woche sind die, die auf eine Trendweiterführung setzen, da eine Trendumkehr nach Freitag im Raum steht.

Sollte QE2 im November gar nicht mehr kommen, da sich die Wirtschaftsdaten dramatisch verbessern, oder sollten sich die Chinesen und die Amerikaner (wie schon diese Woche kolportiert) auf eine Formel einigen, die eine weitere Abwertung beider Währungen durch künstliche Eingriffe - wie z.B. QE2 - verbietet, dann könnte diese Währungsblase aber auch der Commodities Bull Run sehr schnell zu Ende sein.

Im April diese Jahres habe ich einigen meiner Kunden geraten, Gold zu verkaufen. Mein Grund für diesen Vorschlag war ein technischer: das monatliche Chart war schon zu diesem Zeitpunkt hoch. Ich habe damals meinen Kunden als Vergleichschart das Ölchart gezeigt und darauf hingewiesen, 'selbst wenn wir eine ähnliche Entwicklung sehen wie 2008, dann gibt es irgendwann in der nicht allzufernen Zukunft viel niedrigere Preise als 1,100 Dollars bei Gold damals'. Obwohl dieser Bull Run unter Umständen noch nicht zu Ende ist, dann hat uns am Freitag Baumwolle gezeigt, was ein Reversal bei Commodities ist. 1000 Punkte in 8 Stunden. In 23 Jahren Handeln hat sich noch nie ein Chart, welches so steil nach oben gegangen ist wie z.B. Gold heute, nicht durch einen gewaltigen Abverkauf aufgelöst, aber ich bin offen der Möglichkeit gegenüber, dass etwas passiert, was es noch nie gegeben hat. Mein Geld würde ich darauf aber NIE setzen.

Es wird also spannend nächste Woche - 'Trendcontinuation' oder 'Major Top in Place'!
Viel Spass beim Handeln
Euer Gerhard

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